Ernährung und Nahrungsmittel

“Du bist, was du verdaust.”

Ayurveda ist Hilfe zur Selbsthilfe.

So wie die Hitze dem Feuer und das Flüssigsein dem Wasser, so ist der Ayurveda dem Menschen im Innersten zutiefst vertraut“, heißt es in Caraka Samhita.

Der Ayurveda denkt nicht verkopft, sondern natur- und lebensnah. Jeder Mensch trägt dieses Wissen in sich und kann es eigenständig nutzen, wenn er die Grundregeln kennt und respektiert.

Eines der Kernstücke des  Ayurveda ist die Ernährungslehre. Abgestimmt auf den jeweiligen Konstitutionstypen sorgen die passenden Lebensmittel für einen gesunden Körper und einen ausgeglichenen Geist.

Um das Leben nachhaltig zum Guten zu verändern, geht kein Weg an einer gesunden Ernährungsweise vorbei. Unsere Gesundheit, unser Aussehen, unsere Lebensfreude – all das wird davon beeinflusst, auf welche Weise wir unsere täglichen Mahlzeiten gestalten.

Das Ziel der ayurvedischen Ernährung ist es, die Tridoshas (Vata-Pitta-Kapha) ins individuelle Gleichgewicht (genannt Prakriti) zu bringen und die Verdauungskraft (Agni) zu stärken. Mit jeder Mahlzeit sollen wir neue Lebensenergie gewinnen und das Essen dabei mit allen Sinnen geniessen.

Das grundlegende Prinzip der Ayurveda Ernährung beruht auf dem Ausgleich der übermässigen Eigenschaften. Eines der wichtigsten Therapeutika für die harmonische Ernährungsbestimmung ist der Einsatz der richtigen Geschmacksrichtung (Rasa). Für jede Dosha-Konstitution werden bestimmte Gewürze, Gemüse, Früchte usw. nach ihrem Geschmack ausgewählt und auf individuelle Weise zubereitet. Auf diese Weise nutzen wir die tägliche Ernährung als Heilmittel und Ausgleichstherapie für die körperliche und geistige Gesundheit.

Folgende Beschreibungen dienen der Einleitung und Übersicht und ersetzen nicht den Besuch beim Arzt, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeuten.

Hier einige Beispiele für die verschiedene Geschmacksrichtungen (Rasa):

Süss: Reis, Süßkartoffeln, Getreide wie Weizen, Dinkel und Hafer sowie Süßungsmittel, Obst z.B. Trauben, Bananen, Feigen, Birnen, Gemüse z.B. Erbsen, Gurken, Kohl, Zwiebeln

Sauer: Bestimmte Milchprodukte: Buttermilch, Käse, Joghurt, Kefir, Lassie als Getränk zum Essen, Früchte: Granatäpfel, Sauerkirschen, Zitronen

Salzig: Alle Salzarten, Ayurveda bevorzugt Steinsalz zum Würzen

Scharf: Viele Küchengewürze: Pfeffer, Basilikum, Kümmel, Muskatnuss, Majoran, Dill, Ingwer, Kamille, Paprika, Petersilie und Rettich

Bitter: Verschiedene Gemüse (Spinat, Mangold, Rosenkohl) und Salate (Löwenzahn, Radicchio, Rucola), Obst: Rhabarber

Herb: Gelbwurz, Hülsenfrüchte, vor allem Mungbohnen und manche Gemüsesorten wie Spinat, Kohl, Brokkoli, Chicoree, Fenchel, Spargel, Auberginen, Wirsing und Stangensellerie

Folgende Eigenschaften werden den unterschiedlichen Dosha-Typen zugeschrieben:

Vata: Setzt sich zusammen aus Luft und Raum. Es steht für Bewegung, ist trocken, kalt, rau, luftig und schnell. Menschen mit hohen Vata-Anteilen sind kreativ, heiter und flexibel. Sie verfügen über einen wachen Geist, bewegen sich gern und nehmen schwer zu. Kälte ist ihnen unangenehm. Bei zu viel Vata: Neigung zu Nervosität, Schlaflosigkeit und schlechter Verdauung.

Der Vata-Mensch verabscheut Routine und ist immer bereit für Neues. Zu viel Vata im Körper macht sich mit Blähungen, Verstopfung, Kältegefühl, übermässigen Sorgen oder Schlafstörungen bemerkbar. Vata-Menschen oder solche mit einer Vata-Störung brauchen für ihren Ausgleich regelmässige Mahlzeiten und einen regelmässigen Schlaf. Die Vata-Ernährung ist warm, nährend, befeuchtend, beruhigend und erdend. Die empfohlenen Geschmacksrichtungen sind süss, salzig und sauer.

Pitta: Setzt sich zusammen aus Feuer und ein wenig Wasser. Es ist heiss, scharf, ölig und feucht. Pitta- Menschen haben einen starken Willen, viel Energie und Entschlusskraft. Ihr Körperbau ist oft muskulös. Sie verfügen über einen scharfen Intellekt und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, tendieren aber auch dazu, zu kritisch, ungeduldig und ungerecht zu sein.

Der Pitta-Mensch weiss, was sie will, und kann auch mal aufbrausend sein. Zu viel Pitta im Körper zeigt sich mit Sodbrennen, Entzündungen, Hauterkrankungen, Wut und Aggressivität. Pitta wird oft erhöht durch zu viel Kaffee, Wein oder Fleisch, die alle eine säurebildende Wirkung haben im Körper. Eine gesunde Pitta-Person hat ein starkes Verdauungsfeuer und auch einen üppigen Appetit. Die Pitta-Ernährung ist kühlend, mild, stärkend und energiespendend, und die empfohlenen Geschmacksrichtungen sind süss, bitter, zusammenziehend. Drei bis fünf gut sättigende Mahlzeiten sind notwendig, damit Pitta seinen Hunger stillen kann. Als Zwischenmahlzeiten eignen sich süsse Früchte, Datteln und Mandeln.

Kapha: Setzt sich zusammen aus Wasser und Erde. Es ist kalt, schwer, klebrig, süss. Kapha steht für Beständigkeit, Stabilität und Fruchtbarkeit. Personen mit viel Kapha sind ausdauernd, liebenswürdig und geduldig. Sie haben ein grosses Herz und viel Selbstvertrauen. Bei Ungleichgewicht neigen sie zu Starrsinn und Geiz, nehmen schnell zu. Anfälligkeit für Erkältungen und Depressionen.

Kapha hat von allen dreien am wenigsten Hunger, aber isst am liebsten. Denn Kaphas Glück liegt auf der Zunge. Kapha ist robust gebaut, hat ein ausgezeichnetes Immunsystem und eine gute Fortpflanzungskraft, mag Altbewährtes und kann sich schlecht trennen. Durch zu viel und zu schweres Essen, zu wenig Bewegung und zu viel Schlaf wird Kapha erhöht. Zu viel Kapha im Körper zeigt sich durch Müdigkeit, Trägheit, Erkrankungen der Lunge, Übergewicht oder Diabetes. Die Kapha-Ernährung ist leicht, trocken, erhitzend und anregend, und die empfohlenen Geschmacksrichtungen sind scharf, bitter und zusammenziehend.

Folgende Bücher beinhalten viele inspirierende Ayurveda-Rezepte:

  • Das große Ayurveda-Ernährungsbuch: Gesund leben und genussvoll essen von Hans Heinrich Rhyner und Kerstin Rosenberg
  • Der Schatz der Ayurveda Küche: mit über 125 Rezepten für Körper und Seele von Sandra Hartmann
  • Das Kochbuch des Ayurveda: Selbstheilung durch die ayurvedische Küche von Vasant Lad und Usha Lad

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