Heilpflanzen

Brahmi Pflanze

Körper, Geist und Seele sind wie ein Dreifuss. Die Welt wird durch ihr Zusammenspiel erhalten. Sie stellen das Substrat für alles Existierende. Vereint bringen sie das fühlende Wesen hervor, für das Ayurveda ins Licht gerufen wurde.” Caraka Samhita

Vor rund 2500 Jahren definierte der indische Arzt und erste bekannte Chirurg der Weltgeschichte, Sushruta, Gesundheit folgendermassen: “Der Mensch wird gesund genannt, dessen Physiologie im Gleichgewicht ist, dessen Verdauung und Stoffwechsel gut arbeiten, dessen Gewebe- und Ausscheidungsfunktionen normal funktionieren und dessen Seele, Geist und Sinne sich im Zustand dauerhaften inneren Glücks befinden.”

Heilkräuter aus der Pflanzenheilkunde spielen bei Ayurveda eine essentielle Rolle. Doch ganz gleich, ob die Pflanzen zur Entspannung eingesetzt werden, um die Verdauung anzuregen, das Immunsystem zu stärken, den Körper vor Krankheiten zu schützen oder diese zu heilen: Ayurveda ist kein Ersatz zur modernen Medizin, sondern vielmehr eine sinnvolle Ergänzung. Menschen, die der ayurvedischen Heilkunst offen gegenüber stehen, können dadurch neue Lebenskraft gewinnen und Linderung bei zahlreichen Beschwerden erfahren.

Folgende Beschreibungen dienen der Einleitung und Übersicht und ersetzen nicht den Besuch beim Arzt, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeuten.

Unter den Heilpflanzen wird zum Beispiel unterschieden zwischen umstimmenden, antiparasitischen, Bitterstoffen, schweißtreibenden, harnflussfördernden und den Stuhlgang regulierenden.

Hier eine Beschreibung sechs ayurvedischen Heilkräuter:

Amalaki, die indische Stachelbeere, gilt als die Königin der Prävention.
Rasa (Geschmack): alle außer salzig
Vipaka (Geschmack n. d. Verdauung): süss
Virya (Thermik): kühlend
Guna (Eigenschaft): leicht, trocken
Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten: Amalaki gilt als das Verjüngungsmittel im Ayurveda. Die getrocknete Frucht unterstützt das Immunsystem, reduziert im Magen übermässige Säure, stärkt die Augen und gilt als Tonikum für Haut, Haare und Nägel. “Allheilmittel” zur Reduktion aller drei Doshas, sträkt Psyche und Nerven.

Im Handel verfügbar sind das Fruchtpulver (Churna), Presslinge des Extrakts, Gärgetränke und die berühmte Rezeptur Chyavanprash – ein stärkendes Fruchtmus mit zahlreichen Kräutern, Gewürzen, Honig, Ghee und Rohrzucker. Amalaki ist zudem Bestandteil der berühmtesten Dreifruchtmischung Triphala.

Brahmi (Bacopa monniera), das Nabelkraut, die Heilpflanze für den gesunden Geist.
Rasa (Geschmack): bitter, herb
Vipaka (Geschmack n. d. Verdauung): scharf
Virya (Thermik): kühlend
Guna (Eigenschaft): leicht
Dosha-Bezug: Vata und Kapha reduzierend

Einsatzmöglichkeiten: Brahmi gilt in Indien als heilig und wird verehrt wie keine zweite Pflanze. Im Ayurveda wird es als Nerventonikum zur Steigerung der Aufnahme und Konzentration und zum Ausgleich der Gemütslage eingesetzt. Zudem gilt Brahmi als herztonisch.

Anwendungsmöglichkeiten bieten sich in jedem Alter. Im Handel verfügbar in Form von Kräuterpulver (Churna), Extrakt-Presslinge, Kräuterwein (Saraswatarishta).

Guduchi, der Schützer für das Immunsystem.
Rasa (Geschmack): bitter, herb
Vipaka (Geschmack n. d. Verdauung): süss
Virya (Thermik): erhitzend
Guna (Eigenschaft): leicht, ölig
Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten: Die Rankpflanze Guduchi ist ein wahrer Allrounder. Sie stärkt das Immunsystem und beugt somit lästigen Infekten vor. Ihre Bitterstoffe werden besonders von der Leber geschätzt, unterstützen die Verdauung und reinigen das Blut und die Körpersäfte. Im traditionellen Ayurveda gilt Guduchi als grosse Hautheilpflanze, Agni-stärkend und ama-verbrennend.

Ist im Handel verfügbar in Form von Kräuterpulver (Churna), Extrakt-Presslinge. Vor allem in den infektreichen Wintermonaten ein wahrer Beschützer.

Guggulu, die indische Myrrhe, für den gesunden Stoffwechsel
Rasa (Geschmack): bitter, herb, scharf
Vipaka (Geschmack n. d. Verdauung): scharf
Virya (Thermik): erhitzend
Guna (Eigenschaft): leicht, trocken, penetrierend, reinigend
Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten: Das Myrrhenharz Guggulu genießt im klassischen Ayurveda eine Sonderstellung und gilt als das wichtigste Mittel für den gesunden Stoffwechsel. Es hilft in der Gewichtsreduktion, verbessert das Fliessverhalten des Blutes, korrigiert Blutfette, wirkt entzündungshemmend in Gelenken, der Muskulatur und der Haut. Auch zur Behandlung der bekannten Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck kommt das Harz traditionell zum Einsatz.Guggulu gilt als Agni-stärkend und auskratzend, wundheilend und verjüngend.

Im Handel verfügbar sind vor allem Kombinationen auf Basis von Guggulu: die bekanntesten sind Kaishora Guggulu, Kancanara Guggulu, Yogaraja Guggulu, Gokshuradi Guggulu, Triphala Guggulu und Punarnavadi Guggulu. Von einer Selbstanwendung ist klar abzuraten.

Kurkuma, die Gelbwurz, der Entzündungshemmer
Rasa (Geschmack): bitter, scharf, herb
Vipaka (Geschmack n. d. Verdauung): scharf
Virya (Thermik): erhitzend
Guna (Eigenschaft): leicht, trocken
Dosha-Bezug: alle drei reduzierend

Einsatzmöglichkeiten: Zu kaum einer Pflanze wurden mehr wissenschaftliche Studien durchgeführt. Kurkuma, das gelbe Gold Südasiens reinigt das Blut und wirkt Entzündungen entgegen. Es schützt die Leber, stärkt das Immunsystem und wirkt vielen Mikroorganismen entgegen. Ein tolles Hausmittel bei Wunden und Hautreaktionen sowie Infekten der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes. Kurkuma wirkt Agni-stärkend und auskratzend.

Im Handel verfügbar als Gewürzpulver, Extrakt-Presslinge. Äusserlich mit Honig oder Aloe Vera Gel verrührt zeigt die Gelbwurz exzellente Resultate bei Wunden und Hautausschlägen.

Shatavari, die Spargelwurzel, „die über 100 Männer verfügt“
Rasa (Geschmack): süss, bitter
Vipaka (Geschmack n. d. Verdauung): süss
Virya (Thermik): kühlend
Guna (Eigenschaft): befeuchtend, schwer
Dosha-Bezug: Vata und Pitta reduzierend

Einsatzmöglichkeiten: Shatavari wird im Ayurveda gerne als die Frauenheilpflanze betrachtet. Sie wird zur Gruppe der Phytoöstrogene gezählt, wirkt befeuchtend und kühlend. Sie schützt alle Schleimhäute vor Entzündungen und beruhigt das Nervensystem. Vor einer geplanten Schwangerschaft wird sie zur Steigerung der Fruchtbarkeit verwendet, in den Wechseljahren hilft sie Beschwerden wie Hitze, Schlafstörungen und Trockenheit entgegen. Shatavari wirkt gewebeaufbauend.

Im Handel verfügbar in Form von Wurzelpulver (Churna), Extrakt-Presslinge.

Buchempfehlungen:

  • Die Ayurveda-Pflanzenheilkunde – Der Yoga der Heilkräuter von Vasant Lad und David Frawley
  • Heilpflanzen im Ayurveda von Hans Heinrich Rhyner und Birgit Frohn
  • Ayurveda mit heimischen Pflanzen: Rezepte & Anwendungen für Gesundheit und Energie von Kerstin Rosenberg, Kalyani Nagersheth und Andrea Küthe Albrecht

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