Ayurvedische Anwendung von Asana

“Körper und Geist sind beide Orte von Leid (Krankheiten) und Glück (Gesundheit). Massvoller Gebrauch ist die Ursache von Glück.” Charaka Samhita 1.55

In Ayurveda, wie in Yoga: das Ziel ist die Stille.

Ayurveda betrachtet die Asana-Praxis als ideale Übung für den Körper: Asana-Praxis ist wohlausgewogen, gesund und kann gefahrlos betrieben werden. Sie steigert Sattva Guna, das allgemeine Wohlbefinden und den inneren Frieden sowie die Achtsamkeit. Darüberhinaus stärkt sie den Körper und macht ihn beweglicher bzw. anpassungsfähiger.

Genauer betrachtet sind Asanas spezielle Übungen, welche dazu beitragen, die Doshas aus dem Tiefengewebe zu entfernen. Eliminiert werden insbesondere überschüssiges Vata und Ama. Diese beiden Faktoren neigen dazu, sich in Knochen und Gelenken anzusammeln. Asana ist also seinem Wesen nach eine dosha-reduzierende, ayurvedische Übungsform – jedenfalls dann, wenn Asana entsprechend praktiziert wird.

Im Ayurveda werden Asanas im Zusammenhang mit Hinweisen zur Lebensführung verschrieben. Das Ziel dabei ist die Reduzierung der Doshas, wobei es einige Haupt-Asanas für jeweils Vata, Pitta oder Kapha gibt.

Die Asana-Praxis ist vor allem ein Mittel, um Sattva Guna innerhalb des Körpers zu entwickeln. Diese Ausrichtung auf die Gunas ist wichtiger, fundamentaler und geht der Ausrichtung auf die Doshas noch voraus. Die ausbalancierte, sattvische Beschafenheit des Körpers ist ein Zustand des inneren Gleichgewichts und der inneren Stille. In diesem Zustand ist Heilung möglich. Im sattvischen Körper sind zudem die Doshas im Gleichgewicht.

Asanas werden auch als Übungen eingesetzt, die die Körper-Geist-Koordination wieder herstellen und alle Funktionsebenen des Körpers integrieren. Diese Übungen wirken dadurch, dass sie vitale Punkte im Körper stimulieren, die im Ayurveda marmas genannt werden. Viele marmas entsprechen den Akupunkturpunkten der traditionellen chinesischen Medizin, die nadis den Meridianen. Die marmas verbinden Bewusstsein mit Körper, beinhalten psychosomatische Qualitäten und sind über die nadis (Energiebahnen) verschaltet.
Die Asanas sind also Stellungen, die auf psychosomatischer Ebene wirken. Sie beeinflussen die inneren Bewegungen der Organe, die Körperströme von Blut, Lymphe, Neurotransmittern und anderen Überträgerstoffen. Wenn man die ganze Reichweite des Ayurveda nutzen will, braucht es nicht nur die Kräutermittel und Massagen, die Rasayanas und Reinigungskuren, sondern auch die Übungen des Yoga.
Es empfiehlt sich, vor jeder Asana-Praxis einige Lockerungs- und Belebungsübungen zu integrieren, wie zum Beispiel die Gelenk- und Drüsenübungen. Diese können jedoch auch als solche praktiziert werden.

Asana ist weder ein Selbstzweck noch steht Asana als Praxis für sich alleine. Vielmehr geht Asana mit Pranayama und Meditation einher, meist als vorbereitende Praxis, als Fundament. Asana ist mit allen anderen Aspekten des Yoga verbunden. Man könnte zum Beispiel sagen, dass Pranayama aus Asanas oder Formen des Prana besteht. Pratyahara wiederum stabilisiert Prana an bestimmten Regionen oder Stellen des Körpers. Mantra und Meditation können in ähnlicher Weise als Asanas für den Geist beschrieben werden.

Ein wichtiges, auf allen Ebenen gültiges Prinzip des Ayurveda lautet, dass Ruhe und Unbewegtheit für die Heilung förderlich sind. Unbewegtheit und Ruhe des Körpers heilen den Körper. Unbewegtheit und Ruhe des Geistes heilen den Geist. Prana wird durch seine Unbewegtheit geheilt. Gleichgewicht ist ein unbewegter, ruhiger Zustand.

Als Yoga-Praxis läuft Asana nicht einfach auf körperliche Betätigung hinaus, sondern beinhaltet vielmehr die Reduzierung körperlicher Aktivität: Asana ist eine Form des Nicht-Handels. Schrittweise wird überflüssige körperliche Aktivität unterbunden, um mehr Energie nach innen zu lenken und so den Körper zu heilen und den Geist zu reinigen.
Mit anderen Worten: was wir in Asana machen hat weniger Bedeutung als das, was wir nicht machen.

Es geht also im Asana nicht etwa darum, eine bestimmte Form oder Haltung zu erreichen. Vielmehr gilt es, den Schwund physischer Energien zu vermindern.
Der gesamte Yoga ist ein Werkzeug des Nicht-Handels, der Reduzierung körperlichen und mentalen Streuverlustes. eine solche Transformation und Erhaltung von Energie zeitigt ganz eigene Heileffekte.

Grundsätzlich sind alle drei Doshas in jedem Menschen vorhanden. Unterschiedlich ist lediglich die individuelle Zusammensetzung/Gewichtung. Es gibt kein gutes oder schlechtes Dosha.

Hier findest du mehr Informationen zu den Asanas für die verschiedenen Doshas.

Buchempfehlungen:

  • Yoga für Ihren Typ: Das große Yoga-Praxisbuch. Asanas im Einklang mit Ayurveda von David Frawley und Sandra Summerfield Kozak
  • Yoga und die ayurvedischen Energietypen: Asanas für Gesundheit und Lebensfreude von David Frawley und Sandra Summerfield Kozak

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