Ayurvedische Anwendung von Pranayama

“Ein Yogi misst die Lebensspanne durch die Anzahl der Atemzüge, nicht durch die Anzahl der Lebensjahre.” Swami Sivananda Saraswati

“Der Sanskrit-Ausdruck Pranayama wird gewöhnlich als “Wissenschaft vom Atem” übersetzt, aber das ist eine begrenzte Interpretation. Wörtlich bedeutet Pranayama das ‘Ayatna (Ausdehnung oder Manifestation) von Prana (Pra: erste Einheit; Na: Energie)’. Prana ist die Lebensenergie des Universums.

Eine Schule der indischen Philosophie behauptet, das gesamte Universum sei durch die Energie von Prana aus dem Akasha (Raum) projeziert worden. Akasha ist das grenzenlose, alles umfassende Material des Universums, und Prana ist die grenzenlose, alles durchdringende Energie des Universums – kosmische Energie. Sie erhält all die unterschiedlichen Formen dieses Universums.”

(Auszug aus dem Buch Die Wissenschaft vom Atem von Swami Rama)

Bei Pranayama handelt es sich wohl um das herausragendste Heilungsmittel des Yoga. Pranayama ist das grösste heilerische Geschenk des Yoga. Was kann der Heilung zuträglicher sein, als die Steigerung von Prana, der wichtigsten Energie des Lebens, der Vitalität und der Heilung. Pranayama ist dafür ein unmittelbar wirkendes Instrument.

Aus mehreren Gründen ist Pranayama für Heilungsprozesse bedeutender als Asana. Es wirkt direkter und ist gleichzeitig eingacher und leichter zu bewerkstelligen. Es gibt unter den wichtigsten Pranayamas kein einziges, das nicht jeder anhand einer guten Erklärung, mit ein bisschen Geduld, Zeit und Erfahrung zu lernen umstande wäre.

Pranayama ist zudem die wohl herausragendste Verbindung zwischen Yoga und Ayurveda. Die einfachste Weise, die eigene Yoga-Praxis zur Reduzierung der Doshas zu verwenden, besteht darin, typgerechtes Pranayama auszuführen. Dies kann im Anschluss an die Asana-Praxis geschehen, indem man kühlende Pranayamas für Pitta, beruhigende für Vata und anregende für Kapha verwendet.

Folgende Beschreibungen dienen der Einleitung und Übersicht und ersetzen nicht den Besuch beim Arzt, Heilpraktiker und Ayurveda-Therapeuten.

Pranayama eignet sich zur Behandlung aller drei Doshas.

Dabei stellt Pranayama ein vorrangiges Mittel dar, um Kapha zu reduzieren: Die Energien der Luft wirken auf natürliche Weise der überschüssigen Erde und dem überschüssigen Wasser von Kapha entgegen.
Der Hatha Yoga Pradipika zufolge dämpft Ujjayi hohes Kapha, vor allem im Rachenraum, und erhöht gleichzeitig das Verdauungsfeuer.
Kapalabhati verbessert die Verdauung und stärkt Agni. Bhastrika wird wie Kapalabhati ausgeführt, jedoch nur durch jeweils ein Nasenloch. Bhastrika ist eine stark erhitzende Form des Pranayama, welche Kapha aus dem Kopf- und Brustbereich löst. Zudem steigert Bhastrika Agni sowie Prana.

Auch im Fall von Vata stellt Pranayama eine grosse Hilfe das, indem es die positive Seite von Vata fördert, nämlich Prana. Verlängerte Tiefenatmung fördert die energetische Versorgung des Oberkörpers. Sie trägt dazu bei, Vata aus seinem Akkumulationsort im Darm zu lösen sowie Blockaden im Unterkörper zu reduzieren. Kontrolle des Prana ermöglicht Kontrolle von Vata; Vata in Geist und Körper wird beruhigt.
Die wortwörtliche Bedeutung von Kapalabhati ist: “Lässt den Kopf scheinen”. In der Hatha Yoga Pradipika steht: “Kapalabhati lindert Vata Dosha und bekämpft Parasiten”. Nadi Shodanam (Wechselatmung) eignet sich ebenfalls für Vata, dabei werden die Reinigung und Harmonisierung der feinstofflichen Nerven gefördert. Bhramari Pranayama beruhigt die Nerven und den Geist.

Neben den erhitzenden Formen von Pranayama, die Vata und Kapha reduzieren, gibt es kühlende, die Pitta besänftigen.
Chandra Bhedhana, die Atmung durch das linke Nasenloch, kühlt und beruhigt.
Shitali ist ebenfalls für Pitta-Konstitutionen sehr wertvoll. Shitali bedeutet “kühlend”. Sithari beruht auf derselben Technik wie Shitali und wirkt kühlend auf den Kopfbereich und auf die Emotionen.

Pranayama ist mit weiteren Yoga-Praktiken verbunden. So stellt Pranayama selbst die bestmögliche Form von Pratyahara dar, denn das erzeugte und verinnerlichte Prana lenkt den Geist und die Sinne auf natürliche Weise nach innen.

Mit Prana eins zu werden ist auch eine Form der Meditation.

Buchempfehlungen:

  • Die Wissenschaft vom Atem von Swami Rama
  • Pranayama: Die heilsame Kraft des Atems von Ralph Skuban
  • Licht auf Pranayama: Das grundlegende Lehrbuch der Atemschule des Yoga von B. K. S. Iyengar

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